Referenzen

Internationaler Realisierungswettbewerb 'Sozialpädiatrisches Zentrum der Uniklinik Aachen'

Internationaler Realisierungswettbewerb 'Sozialpädiatrisches Zentrum der Uniklinik Aachen' - Anerkennung

Der grundlegende Entwurfsansatz liegt in der harmonischen Einbindung des neu zu schaffenden Ensembles in die vorhandene Umgebung. Weiche Formen unterstützen das räumliche Durchfließen des Klinikgartens, aber auch der landschaftlich prägenden Elemente, die durch den Dorbach bestimmt sind. Eingebettet in den nordsüdlich verlaufenden Grünzug übernehmen die „Gebäudeschollen“ eine strukturelle, architektonische und funktionale „Vermittlerfunktion“ zwischen dem imposanten Klinikgebäude und dem historischen, ortsprägenden „Gut Melaten“. Kindergarten, Sozialpädiatrisches Zentrum, Personalrat – aber auch das ins Konzept neu eingebundene Immo‐Centrum‐ richten sich wie „Folies im Park“ nach ihren innen‐ und außenräumlichen Sinnfälligkeiten aus, unterstützen die Qualitäten der themenreichen Umgebung, machen sie sich aber auch zu Eigen. In einer dynamischen Bewegung berücksichtigt die Gebäudekonzeption sämtliche landschaftlichen Ausblicke –Dorbachtal sowie –aue, Klinikgarten und Gut Melaten – und bietet so jedem einzelnen Gebäude hohe Außenbezugsqualität. Durch die fußläufige Vernetzung mit der vorhandenen Wegestruktur wird das Gesamtensemble wie selbstverständlich in die Nachbarschaft aufgenommen. Diese Vernetzung sammelt sich in einem sensibel gestalteten Platz, der Intimität, aber auch Orientierung bietet. Hier sind weitreichende Nutzungen im Sinne des Auslobers möglich. Dieser Platz ist über drei barrierefreie Zuwegungen erreichbar. Ein Weg führt über den westlich angrenzenden Parkraum hinein; ein weiterer führt über das Regenbecken entlang dem Schneebergweg zum geforderten barrierefreien Zugang zum Turm B6 des Klinikums. Der notwendige Parkplatz nimmt die fließende Architektur der Gebäude auf und wird – unterstützt durch die vorhandenen und neu gepflanzte Bäume und mit möglichst geringem Versiegelungsaufwand – zu einem harmlosen, eingeflochtenen Element der Gesamtkonzeption.

KINDERGARTEN
Die „Schneebergkids“ finden ein neues Zuhause in einer der neuen „Schollen“, die den neu geschaffenen Platz nach Westen abschließt und empfängt die Kinder mit einer „öffnenden Bewegung“, um sie in der großzügigen Eingangshalle ihrer eigenen Welt zu überlassen. Die Gruppenräume orientieren sich nach dem schönsten naturräumlichen Element, der Dorbachaue und zeichnen ihren Verlauf nach. Es entstehen hochqualitative Außenraumbezüge, die durch großzügige Verglasungen zu einer Verzahnung von Innen‐ und Außenräumen führen. Den obergeschossigen Gruppenräume wird über über großzügige Freitreppen an den Abschlüssen der Dachterrassen ein direkter Zugang zum Spielbereich ermöglicht, der durch seine spannende Außenatmosphäre vielfältige Möglichkeiten zum Spielen im Wald, am Wasser oder am „Sandstrand“ bietet. Sämtliche Gruppeneingänge sind wie Hauseingänge mit eigener Adresse gestaltet, denen auch eine gruppeneigene Verteilerfunktion zukommt. Den obergeschossigen Gruppen ist eine Empore über diesem Funktionsbereich zugeordnet, die den Kindern Ausblicke „über die Köpfe der Großen hinweg“ bietet. Auch können sie von diesem Standort ihren Eltern im Klinikum zuwinken…

SOZIALPÄDIATRISCHES ZENTRUM
Das Zentrum ähnelt formal dem Obergeschoss des Kindergartens, bewirkt jedoch durch seine Anordnung eine völlig andere Haltung.Die Gebäudeform schirmt sich gegenüber dem neuen Platz schützend ab und öffnet sich zur Gegenseite, um hier, gemeinsam mit dem steilen Grünraum des nördlichen Klinikbereiches einen atriumartigen Innenhof zu bilden. Durch diese Form entsteht auch eine gewollte „Zuwendung“ zum Klinikgebäude, die die Verbundenheit und den Heilsgedanken stärkt. Die großzügige, offene Eingangssituation schafft einen Durchblick zum Atriumhof und bietet Orientierung. Die Erschließungsflure verlaufen klar und übersichtlich und ermöglichen durch ihre Anordnung den gewünschten Kompetenzaustausch.

PERSONALRAT
 Das Gebäude des Personalrates schließt die Platzsituation nach Nordosten ab und zoniert den Platz in einen Auftaktplatz von der stark frequentierten Parkplatzseite und dem geschützteren eigentlichen Platz. Zudem schafft er eine torartige Öffnung zum botanischen Garten des Gut Melaten. Das eingeschossige Gebäude vermeidet es durch seine rundliche Form Vor‐ oder Rückseiten zu bilden. So entsteht ein pavillonartiger Körper, der für die Mitarbeiter hohen Außenraumbezug bietet und in  hohem Maße teamorientiertes Arbeiten zulässt.

FREIRÄUME
Die Freiraumgestaltung nimmt die weiche Architektur auf und bindet das Ensemble behutsam in die umgebende Landschaft ein. Die vorhandene starke Topographie wird aufgenommen und neu interpretiert. Das geschlängelte Wegesystem erschließt das neue soziale Zentrum barrierefrei. In der Platzmittedurchlaufen metallisch reflektierende Bänder den neuen Platz sowie die Gebäude von innen und außen und dokumentieren den Zusammenhalt der Nachbarschaften. Die Platzoberfläche wird rollstuhlgerecht mit großformatigen Betonplatten ausgelegt. Begleitend zu den Bändern sind Bänke und kleine Spielangebote angeordnet. Gras‐ und Blütenbänder unterstützen die Idee eines grünen Gartenhofes, der sich auch in den Lichthöfen des Klinikums wieder findet. Das Außengelände der neuen Kindertagesstätte folgt der Idee eines Dorbachstrandes: Großzügige Sandflächen, Treibgut, versteckte Schätze und eine robuste Bepflanzung wecken die Neugier er kleinen Schatzsucher und Piraten. Das freiraumplanerische Konzept sieht naturnahe Gestaltung, wasserdurchlässige Oberflächen und möglichst hohen Erhalt und Einbeziehung des Baumbestandes vor. So entstehen Orte des Verweilens, der Kontemplation, der Gemeinschaft, Bereiche zum Bewegen, Entdecken, Verstehen und Spielen. So schließt sich der Kreis in dem neu geordneten Bereich der „Gartenhäuser“ zwischen Klinikum und dem historischen Gut.

MATERIAL UND GESTALTUNG
Für die Außenflächen ist eine Hülle vorgesehen, die die Gebäude unprätentiös, aber doch eigenständig darstellen sollen. Aufgrund der Vielfarbigkeit des Klinikums war daher der Farbton Weiß die reizvollste Lösung. Das Ensemble bietet so zudem Assoziationen von Reinheit und Behutsamkeit. Durch große Glasflächen verbinden sich die Räume mit den Garten‐, Auen‐ und Waldflächen. Die Innenräume sind –je Gebäude thematisch unterschiedlich‐ farbig behandelt und tragen so zu Zonierung und Orientierung bei. Die eingeschossigen Bauteile bzw. Gebäude stellen eine Art Sockelgeschosse dar und sind als bandartige Metallkacheln geplant. Leichte „Farbabweichungen“ zum weißen Grundton schenken den Gebäuden einen plastischen, leichten Charakter. Die oberschossigen Gebäudeformen sind mit einem Außenputz vorgesehen und tragen zu einer zurückhaltenden Interpretation der Gebäude am „Schneebergweg“ bei.

ENERGIEKONZEPT
Das Energiekonzept basiert vorrangig auf der Reduzierung des Energiebedarfes für Wärme und Strom durch eine hochwertige Gebäudehülle und eine effiziente, angepasste Gebäudetechnik. Erreicht werden eine sehr gute Raumluftqualität und eine hohe thermische Behaglichkeit. Zur Sicherstellung eines Niedrigenergiestandards mit Passivhausqualität wird ein hochwertiger Dämmstandard vorgeschlagen. Zudem ist auch eine 3‐Fach‐Verglasung vorgesehen. Die hohe wärmetechnische Qualität führt neben der Energieeinsparung auch zu einer deutlichen Verbesserung des thermischen Komforts für die Kinder und BetreuerInnen.

SOMMERLICHER WÄRMESCHUTZ
Durch die hochwertige Wärmedämmung und den auf die Nutzung angepassten Verglasungsanteil werden solare Lasten reduziert. Zusätzlich ist der Grundriss des Kindergartens mit seinem vorgeschobenen Obergeschoss und seinen zurückspringenden Gruppenraumfassaden so gewählt, dass zu der Möglichkeit hier Schutz zu finden, auch direkte Sonneneinstrahlung minimiert wird. Der gezielte Einsatz von Speichermasse insbesondere im Bereich der Decken und Wände reduziert die Temperaturspitzen. Externe und interne Wärmelasten werden zwischengespeichert (Amplitudendämpfung).

LÜFTUNG - HEIZUNG
Sofern keine Lösung durch Partizipation des vorhandenen Energiesystems des Uniklinikums denkbar ist, ist eine geothermisch ausgelegte Wärmepumpenanlage zur Wärmeversorgung der neu geplanten Häuser angemessen und notwendig. Die Effektivität der Anlage, die dezentral vom Haustechnikbereich des SPZ gesteuert werden kann, wird durch den Einsatz von Fußbodenheizungen
erhöht. Gerade die „Schneebergkids“ wie auch die die Kinder und Patienten des sozialpädiatrischen Zentrums wissen die wohlige Wärme des Bodens zu schätzen. Zudem kann im Sommer die Wärmepumpe Wärme abführen und somit die Räume kühlen.